Stadtplanung
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PLATZHALTER VORWORT

 

108 Grad in der Wintersonne“

Die Entdeckung der mittelalterlichen Stadtplanung nach den Sonnenwenden und im goldenen Schnitt

                                                                                                                                                       Peter Klink, Denkingen 2015

Stadtansicht von Pfullendorf aus Südwest um 1850

Pfullendorf hatte bis zum Abriss der unteren Stadttore um 1840 sein mittelalterliches Stadtbild.

Außerhalb der Stadtmauer gab es nur in der Vorstadt Häuser und einzelne zerstreute Gebäude hinter

dem mittleren Weiher. Die Bevölkerungszahl schwankte seit der Stadtgründung und stieg erst Ende

des 19. Jahrhunderts deutlich an. Auf der Stadtansicht oben sieht den allmählich verlandenden

unteren Weiher (heutiger Stadtsee). Drei der vier Stadttore fehlen bereits und von der badischen

Eisenbahntrasse ist noch nichts zu sehen.

Auf der Luftaufnahme von Pfullendorf sieht man noch heute die einzigartige Planungsstruktur der einstigen Stauferstadt. Es gibt kaum eine mittelalterliche Stadt mit solch einem Straßenkreis und einer eingebetteten Fischblase.

Die Entdeckung

 

An Weihnachten 2007/08 sah ich spätnachmittags am Standtort beim oberen Tor in Pfullendorf,

wie sich die untergehende Sonne zwischen die Häuserzeilen der Oberen Hauptstraße senkte.

Dies kann kein Zufall sein, dachte ich mir und beschloss diesen Sonnenuntergang bei der nächsten Gelegenheit zu fotografieren. Entweder kam dann irgendetwas dazwischen oder die Wettersituation war entsprechend ungünstig.

Es dauerte bis zur Wintersonnenwende 2010, als sich bei relativ klarem Himmel das Naturschauspiel fotografieren ließ.

In einen Stadtplan der Altstadt zeichnete ich die Lichtachse ein und bemerkte,

dass die Obere Hauptstraße die Symmetrieachse einer großen Straßenanlage in Fischblasenform war.

Nun suchte ich nach den Aufgangsachsen der Wintersonne zum 21.12. und wurde über die Internetrechner der Solarbranche relativ schnell fündig.

Schnell war klar, dass die nach Südosten ausgerichteten Gassen Gaisbühl, Webergasse, Gebsengasse

(heute Heiligenbergerstraße) nach der aufgehenden Wintersonne ausgerichtet war.

Nun begann eine Suche nach Hinweisen in der Wissenschaft, welche mir eine Erklärung für dieses Phänomen geben konnten. Beispiele für eine Ausrichtung nach den Sonnenständen fand ich erstmals bei den römischen Geschichtsschreibern und bei Siedlungen und Anlagen im Neolithikum.

Ein Zufall brachte mich mit Prof. Klaus Humpert zusammen, der hier nach Pfullendorf verwandtschaftlichen Kontakt pflegt.

Humpert gab mir wertvolle Ratschläge, was es zu berücksichtigen galt.

In zahlreichen Telefonaten führte er mich tiefer in das Thema ein und empfahl mir die ehemaligen Stadttore miteinander zu verbinden.

Das Stadtbauamt von Pfullendorf und das Landratsamt (Vermessungsabteilung) versorgten mich mit genauen Plänen.

Nun wurden die Ergebnisse immer präziser und auch verblüffender. Es stellte sich heraus,

dass die Achse „Engelinstor-Gebsentor“ nicht nur rechtwinklig zur Achse „Obertorturm –Steinbrunnentor“ lag,

sondern dass diese auch die Sonnenaufgangsachse zur Wintersonnwende war (unter Einbeziehung der Topografie).

Eine weitere Auffälligkeit war, dass der Kreuzungspunkt Hauptachse (Ost –West = Decumanus) sich mit der

Nord- Südachse im goldenen Schnitt teilte.

Mit der Einbeziehung des Standorts der ehemaligen Kapelle des Grafen Rudolf, bot sich eine Geometrie,

welche mich an die Form des Pentagramms im Portal des staufischen Bauwerks Castel del Monte erinnerte.

Die Einzeichnung der Pfullendorfer Stadtbefestigung in ein Pentagramm war dann die Voraussetzung für weitere feingesponnene Beobachtungen und erleichterte die Herangehensweise und Erforschung bei anderen Städten,

was mir zur Festigung meiner These wichtig war.

Pfullendorf liegt auf einer geografischen Breite,

bei der sich die Sonnenachsen zu den Sonnenwenden in einem Winkel von 108° Grad überschneiden.

Dieser Umstand begünstigte die Entdeckung,

dass die Sonnenwendachsen in das Planungsgerippe des Pentagramms hineinspielen.

Spätestens seit der Römerzeit wurde dieses Verfahren angewandt,

je nach Breitengrad wich der Sonnenaufgangswinkel von 108 °Grad ab.

So kreuzen sich die Torachsen beim römische Fort Hardknott, ( Nordumbrien beim Hadrianswall) in einem 95° Grad Winkel.

Bei der federicanischen Gründung Altamura ( Apulien )sind dies 117,5 Grad .

Die südöstlichen Gassen sind nach der Wintersonne ausgerichtet.

 

Beim Sonnenaufgang um die Wintersonnenwende scheint die aufgehende Sonne um etwa

8 Minuten verspätet in die Webergasse,

was einer Verdrehung zur Nord- Südausrichtung um 2° Grad entspricht.

Auf dieser Achse ist die gesamte Stadtplanung von Pfullendorf ausgerichtet.

Auch der Gaisbühl und auch die Heiligenbergerstraße (ehem. Gebsengasse) bekommen im Winter dieses frühe Licht.

Die Gebsenmacher fertigten Holzgefäße und waren, wie die Weber, Handwerker,

welche für ihre Arbeit möglichst lange am Tag Licht benötigten.

 

Die Webergasse beim Sonnenaufgang zur Wintersonnenwende Foto P.Klink

Mehrere Tage lang, vom 18. Dezember bis zum 23. Dezember, kann man diesen Zustand

(lat.Solstitium = Sonnenstillstand = 21.6. +21.12.) mit dem bloßen Auge kaum unterscheiden.

Ab dem 24./25. Dezember werden die Tage merkbar wieder länger.

Bei den Tag- und Nachtgleichen (21.3 +23.9.) wandert der Sonnenaufgangspunkt rasch und ist deutlicher markierbar. (lat. Äquinoktium= Nachtgleiche)

 

 

Bei Sonnenaufgang um die Sommersonnenwende wird von Nord-Osten her der Giebel des Gasthaus Krone angeschienen.Ca. 35 Minuten später steht die Sonne schon so hoch dass diese in die Obere Hauptstraße scheint.
Über dem Löwen geht an den längsten Tagen die Sonne auf. Das Bild wurde vom Kirchturm aufgenommen. Dies belegt, dass die Planungsachse etwas weiter östlich durch die alte Sakristei verläuft.
2. Juni 1220 - Gründungstag der Stadt Pfullendorf (julianisch). Dieser Tag entspricht nach dem gregorianischen Kalender dem Sonnenstand vom 8./9. Juni 2015.

Die Lichtachse mit dem blauen Pfeil zeigt den Sonnenuntergang wie wir ihn oben im Bild sehen. Der heutige Sonnenuntergang vom 8/9. Juni entspricht dem vom 2. Juni 1220, dem Stadtgründungstag nach dem Julianischen Kalender.

 

Platzhalter (Zeichnung Peter Klink)

 

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Die Zeit bis zur Stadtgründung

 

Pfullendorf war erstmals im 9. Jahrhundert als Pfuol oder Dorf am Pfuhl erwähnt.

Die Entwicklung zum Marktort und später zur Stadt verdankt es vor allem den Grafen zu Ramsperg.

Rudolf II. von Ramsperg (ca. 1120 - 1187) verlegte seinen Stammsitz von der etwa 10 km

weiter südlich gelegenen Burg Ramsperg allmählich auf seine Pfullendorfer Burg oberhalb

der zugehörigen Marktsiedlung. Als Vertrauter und enger Weggefährte erhät Rudolf II. von

Kaiser Barbarossa das Markt- und Münzrecht und ist mit seinen strategisch wichtigen

Besitzungen,Titeln und Einnahmequellen einer der einflussreichsten Territorialherren seiner

Zeit. Jahrelang wird Rudolf im kaiserlichen Gefolge als enger Vertrauter verzeichnet. Als sein

Sohn Berthold in Italien an der Malaria stirbt verändert sich sein Aufgabenbereich.

Rudolf II. von Pfullendorf-Ramsperg vermacht all seinen Besitz seinem Neffen, dem Staufenkaiser

Friedrich Barabarossa und begibt sich nach Jerusalem in den Kampf gegen Saladin.

Rudolf regelt die Mitgift seiner Tochter Ita, welche einen Albrecht von der Habichtsburg

heiratet. Ausgestattet mit einem ehemals zähringischen Besitz (der Grafschaft Rheinfelden)

begünstigt sie den Aufstieg der Habsburger (ehemals Habichtsburger) und gilt fortan als eine

deren Stammmutter. Rudolf II. fällt um 1187 im Kampf um Jerusalem. Kaiser Friedrich I.

erreicht die umkämpfte Stadt nicht, Berichten zufolge ertrinkt er im kleinasiatischen Fluss Saleph.

In relativ instabilen politischen Zeiten wird Barbarossas Sohn Heinrich VI deutschen Kaiser.

Das Pfullendorfer Erbe wird allmählich von den Staufern an die umliegenden Grafen und

Klöster verteilt, um diese in ihrer Gunst zu gewinnen.

Auch noch als Friedrich II. als deutscher und sizilianischer König in Deutschland verweilt,

greift dieser immer wieder auf sein Erbe Pfullendorf zurück und verschenkt und überschreibt

Wälder,Mühlen,Höfe, so dass bald das Dorf am Pful kaum noch Grund und Boden oder

Wald besitzt. Im berühmten Beschwerdebrief an Friedrich II., welcher 1219 in Weingarten

Hof hält,bringen die Pfullendorfer Dorfbewohner ihren Ärger zum Ausdruck.

Der Pfullendorfer Zettel schein Wirkung zu zeigen. Als Pfullendorf 1219 durch eine

Feuersbrunst weitgehend beschädigt wird und umherziehende Banden das Dorf wiederholt

plündern,befiehlt Friedrich II. im Jahr seiner Kaiserkrönung auf einem Reichstag in Worms

am 2. Juni 1220 die Erhebung zu Stadt.

In einer noch erhaltenen Stadtgründungsurkunde werden die Rechte,Pflichten und

Bedingungen niedergeschrieben.

Pfullendorf wird vom Stadtgründer erfolgreich an strategischer Stelle zwischen Donau und

Bodensee an der Königsstraße von Ulm über Mengen nach Konstanz errichtet. Ähnliche

Vorhaben in Hoßkirch und Winterstettenstadt kamen dauerhaft über eine Dorfsiedlung

nicht hinaus.

 

 

Das Foto von der Pfullendorf Siedlung am Pfuhl.Peter Schramm realisierte eindrucksvoll mit zwei Modellen das Pfullendorfer Areal - vor und nach der Stadtgründung.

Die Stadtgründung

 

Pfullendorf war keine Neugründung auf der grünen Wiese, denn es waren gewisse Siedlungsanlagen

schon prägend vorhanden. Wertvolle,hochwertig gebaute oder historisch bedeutende Gebäude

behielten meist ihren Platz im Stadtbild und wurden als Bezugspunkt bei der Stadtplanung genutzt.

In Pfullendorf gab es die Burg oberhalb des Marktes, es gab ein Dorf, welches sich bis in die Vorstadt

erstreckte und es gab die Kapelle bei der Burg,wovon man Reste in der alten Sakristei der

Pfullendorfer Pfarrkirche St. Jakobus sieht. Die verheerende Feuersbrunst von 1218/19 zerstörte

wohl einen Großteil der Gebäude und es wird von abgebrannten Hofstätten geschrieben, welche

schließlich wieder überbaut wurden. Der Großbrand gab natürlich auch einer neuen Planung

entsprechend Spielraum.

Wenn sich die alte Siedlung Pfullendorf größtenteils wie heute am Hang Richtung Nord-Ost

erstreckte,hätten bei einem Stadtbrand die Flammen zweifach leichtes Spiel gehabt. Einerseits

konnten diese von unten nach oben brennen,andererseits gibt es den überwiegenden

Südwestwind,der ein kleines Feuer leicht zu einem Großbrand den Hang hinauf entfachen konnte.

Ob Pfullendorf eine Stadtgründungsurkunde aus heiterem Himmel erhielt und ob Insider und die

staufische Verwaltungsbehörde nicht schon bereits von den königlichen Absichten wussten, ist nicht

belegt.

Die topographische Lage des Vorhabens war nicht ungünstig. Zu einem lag das Bauareal am leichten

Hang, die Sonneneinstrahlung zur untergehenden Wintersonne konnte gleich wie in einem Weinberg

in die Gassen scheinen, zum anderen konnte in der Sommerzeit (das Klima um 1120 war deutlich

wärmer als heute) eine leichte Durchkühlung stattfinden, Rauch und ungesunde Luft konnten besser

abziehen.

 

Platzhalter (Planerische Anlage der Weiher)

 

Pfullendorf eine geplante Stadt

 

Pfullendorf wurde auf Befehl von Friedrich II am 02. Juni 1220, kurz vor seiner Kaiserkrönung, zur Stadt erhoben.

Die Stadtbefestigung wurde wie in den meisten Städten im Mittelalter planerisch angelegt.

Da es sich in Pfullendorf nicht um die Stadtgründung eines Kleinadeligen handelte,

sondern die des deutschen und sizilianischen Königs, welcher auf eigenem Grund und

Boden den Besitzstand wiederherstellen und mehren wollte, kann man mit Recht davon ausgehen,

dass hier ein Königsplan umgesetzt werden sollte.

Friedrich II besaß für seine Zeit ein außerordentlich breites Bildungsspektrum,

sprach mindestens 6 Sprachen und war extrem neugierig, was die Entdeckungen der antiken Wissenschaften anbelangte.

So war er auch in den antiken Modellen des Städte- und Festungsbaus geschult.

Nur in einer Quelle finden wir jedoch, wie sich Friedrich II als Städteplaner der Festungsstadt Victoria bestätigte und

nach dem Vorbild der Alten das Gründungsritual vollzog.

 

 

Friedrich II gründete oder erhob während seiner Regierungszeit lediglich 45 Städte selbst.

Neben Pfullendorf sind dies Nürnberg, Zürich, einst Victoria bei Parma,

Nördlingen, Altamura, Gela, Kaysersberg u.a.

Die Planungstätigkeiten überließ er autorisierten Gebietsverwaltern,

wie z.Bsp. dem bekannten Wölflin von Hagenau.

Nach deren Entwurf steckten die Vermesser, Feldmesser, in Italien - die Agrimensoren oder Terminatores -

den Plan auf dem Gelände ab.

Nördlich der Alpen überwachten Schultheissen diese Tätigkeit und je nach politischer oder strategischer

Wichtigkeit blieben uns einzelne Gründungsberichte erhalten.

Ob Friedrich II. während seiner Durchreise von Überlingen nach Ulm auch in Pfullendorf weilte,

ist ungewiss, jedoch wissen wir über den verdienstvollen Pfarrer Ulrich, der die Aufmerksamkeit des Königs gewann,

dass Friedrich von Pfullendorf ein gewisses Bild haben musste,

das er dann auch in der Stadtgründungsurkunde zum Ausdruck brachte.

Der Stadtbrand von 1219, welcher einen Großteil von Hofstätten zerstörte,

bot bei allem Unglück wiederum die Möglichkeit die Siedlungsanlage neu zur ordnen.

Auf bestehende Gebäude im Planungsgebiet nahm man sicherlich Rücksicht,

man nutzte aber auch den mächtigen Molassefelssporn der Hanglage Pfullendorfs.

Der sich bietende weiche Sandstein eignete sich bestens in seiner Verarbeitung zu Steinquadern für den Mauer- und Häuserbau.

Planerisch schlug man große Nischen in den Steilhang und stellte in diese Steinbrüche die neuen Hofstätten.

Dies ist heute noch gut in der unteren Hauptstraße, in der Rossmarktgasse oder am Marktplatz hinter dem Schwanen zu erkennen. Die Zunft der Steinsäger ist heute noch ein Begriff, er agierte gerade in den Gegenden, in denen es Sandstein,

Tuffstein oder Marmor abzubauen galt (Bärenthal).

Der Pfullendorfer Molassesandstein (mancherorts wird er auch Stubensandstein genannt) hat die Eigenschaft,

dass dieser sich nass relativ leicht behauen und sägen lässt, trocknet dieser jedoch an der Luft aus, wird die Oberfläche fest.

Die gute Verbaubarkeit dieses Gesteins ermöglichte eine enorme Geschwindigkeit bei der Errichtung der Mauern und Tore, sowie auch der Gebäude innerhalb der Stadt.

Wie die Stadtgründungsurkunde nach Pfullendorf kam, ist uns nicht bekannt,

aber dieser Staatsakt geschah sicher nicht klammheimlich.

Außerdem musste unverzüglich ans Werk gegangen werden,

dies erkennt man schon aus den Auflagen der Urkunde in denen bereits ein Bauzwang bis Michaeli eingefordert wird. Bauzuschüsse wie wir sie heute kennen, gab es nicht, jedoch eine Steuerbefreiung auf Jahre.

Diese Gunst zeigte wohl Wirkung und wurde schon zuvor bei anderen Stadtgründungen erfolgreich umgesetzt.

Bereits wenige Tage nach der Stadterhebung bot sich ein günstiger Anlass die Stadtplanung umzusetzen.

Der Johannistag, (24.6.), dieser Hochtag der Steinmetzzunft, stand in enger Verbindung mit der Sommersonnwende am 21. Juni.

Die Ungenauigkeit vom Julianischen Kalender zum heute verwendeten Gregorianischen Kalender beträgt auf das Jahr 1220 bezogen 7 Tage.

Da sich die Bauleute nach den Schattenlängen orientierten, kontrollierten sie immer mit den wirklichen Sonnenständen.

Um 1500 betrug der Unterschied von Julianischen zum Gregorianischen Kalender ca. 9 Tage und

so wurde unter dem damals amtierenden Papst Gregor ein neuer Kalender eingeführt.

6 Monate nach Johanni, kurz nach der Wintersonnenwende, wird Christi Geburt gefeiert.

Beide Feiertage wurden, wie auch Frühling- und Herbstanfang, die Tag- und Nachtgleichen,

stets im Vierteljahresabstand gefeiert. Zur Zeit der Winter- und Sommersonnwende variiert die Tageslänge,

gemessen am Aufgangs- und Untergangspunkt der Sonne überhaupt nicht.

Das lat. Solstitium, was Sonnenstillstand bedeutet und Sonnenwende meint,

war der ideale Zeitpunkt, um den Stadtplan nach den Lichtachsen einzumessen.

Denn vom 19./20. Juni bis zu Johanni 24. Juni ist eine Bewegung des Sonnenaufgang und

– Untergangspunktes mit dem bloßen Auge kaum erkennbar.


 

Entgegengesetzt dazu hat die Sonne in ihrem Lauf an den Tag- und Nachtgleichen,

Aquinoktium (lat. Nachtgleiche) 20./21. März und 22./23. September seine sehr starke Bewegung,

anhand dieser Sonnenauf- und Untergänge wurde exakt die Ost- Westausrichtung vieler Kirchen ausgelegt

(z. B. St. Jakobus Pfullendorf).

Für den Entwurf und die Umsetzung des Plangerüsts brauchte man damals für die nicht seltene Hanglage Spezialisten,

welche in der Planimetrie geschult waren.

Es galt nicht nur den Verlauf von Mauern, Toren und Stadtseen einzumessen, es wurden auch das Spital,

die Klöster und die Hofstätten, sowie einzelne Pfleghöfe von vornherein mit angelegt.

Zudem sehen wir im Pfullendorfer Luftbild einen großen Kreis und eine kleine Fischblase (vesica piscis),

welche den Straßenverlauf markieren. Die Mittelpunkte der zugehörigen Radien wurden im Gründungsplan mitbedacht.

Nun kamen mit der Stadtgründungsurkunde fähige Spezialisten im Auftrag des Königs,

die den Stadtaufriss entwerfen sollten oder man holte sich auf der nahegelegenen Großbaustelle Kloster Wald

das notwendige Fachpersonal. Bereits seit 1212 ließ dort Bernhard von Weckenstein, ein kaiserlicher Minister,

für seine beiden Schwestern ein Kloster nach Entwurfsplänen bauen.

Das geschulte Baupersonal des Klosters arbeitete in der Tradition der Hirsauer Bauschule (Eule im Kreuzgangkapitell)

und zudem stand der Klosterbau unter direktem Schutz und Begünstigung des Stauferkönigs und baldigen Kaisers.

Aus den Bauhütten der Kathedralen, welche ein immer stärker aufkommendes, wiederentdecktes

und zum Teil nicht vergessenes Wissen der Antike in ihren Bauwerken umsetzten, kamen die Impulse.

Bereits zu Beginn der Stadtgründungswelle des Mittelalters konnte man noch die römischen Städte in England,

Frankreich und Deutschland klar erkennen und orientierte sich an deren Ausrichtung und Formensprache.

Übersetzungen des römischen Architekten Vitruv befanden sich bereits seit dem 9. Jahrhundert in Europa im Umlauf.

Die Werke von römischen Agrimensoren z.B. Hyginius Gromaticus aus dem 1./2. Jahrhundert n.Chr.

wurden im Karolingischen Agrimensoren-Codex kopiert.

Gerade noch erhaltene Konstruktionslinien belegen, dass die Hintergrundgeometrie dieser

Feldmesser bis ins 16. Jahrhundert stets dasselbe war. Im 13. Jahrhundert war die

Vorgehensweise der mittelalterlichen Stadtplanung voll entwickelt.

Der hochwertige, vollkommen schlüssige Stadtaufriss und dessen Entdeckung wurden begünstigt,

da Pfullendorf sich nach der ersten Untermauerung in dezentraler Lage im Hinterland von Donau und

Bodensee nur noch allmählich entwickelte.

Was landläufig, provinziell beäugt wurde, offenbart sich nun als Kleinod,

in dem eine Stadt noch in ihren mittelalterlichen Straßenzügen zu erkennen ist.

Nach 1219 wurde Pfullendorf von keiner Brandkatastrophe mehr heimgesucht,

auch ließen die Pfullendorfer Bürger die Stadt während des 30-jährigen Krieges mehrfach von den Schweden plündern,

sie wichen jedoch einem bewaffneten, feuerbrünstigen Konflikt aus.

Die Stadt hatte bis zu ihrer Fertigstellung etwa Ende des 14. Jahrhunderts noch die Eigendynamik einer Großbaustelle,

danach wurden wohl schon wieder die ersten zerfallenen Häuser neu aufgebaut.

An dem Verlauf der Straßen und der Lage der Grundstücke veränderte sich nur noch wenig.

Die noch bis 60 % erhaltene Stadtmauer, das obere innere Stadttor mit Turm,

viele heute noch zugängliche Keller und Fragmente der Greth im heutigen Bürgerbüro,

sind noch ursprüngliche Zeugnisse aus dem 13. Jahrhundert.

Möglicherweise ist die alte Sakristei der Stadtkirche St. Jakobus ein Teil der Kapelle

des Pfullendorfer Grafen aus dem 12. Jahrhundert.

Mit Sicherheit ist dieser Ort der Ausgangspunkt des kompletten Stadtaufrisses.

 

Die Verwendung des Pentagramms als Planungsgrundlage seit der Antike

Das Pentagramm erscheint als Planungsgrundgerippe der Stadtplanung spätestens

ab dem 2./3. Jahrhundert vor Christus und eignet sich offenbar als Planungsüberträger dank seiner stabilen Geometrie. Möglicherweise haben schon die Griechen seit Hippos von Milet,

diese Verfahren bei ihren orthogonalen Stadtplanungen benutzt.

Einmal exakt aufgerissen, kann man mit den sich ergebenen Seitenlängen und

Unterstrecken das Gebilde schnell und genau exakt vergrößern und eisblumenartig wachsen lassen.

Zum Konstruieren eines Stadtplans eignete sich daher das Pentagramm,

das man in einer gewissen Größe in den Stadtentwurf einzeichnete, quasi in die Geometrie hineinkonstruierte und

danach in einem weit größeren Verhältnis die zu bauende Stadt am strategischen Punkt in den Boden absteckt.

Dies konnte auf keinen Fall ohne vorheriges gründliches Planen geschehen,

denn zum einen musste der zu überbauende Grund auf geologische und topografische Eignung eingesehen werden,

zum anderen wurden bei schon vorhandenen Siedlungen markante Gebäude als früher Fixpunkt der Stadtplanung miteinbezogen.

Gerade in Pfullendorf ist es die einstige Kapelle des Grafen Rudolf, die heute als „alte Sakristei“ genutzt wird.

Das sogenannte Schachbrettmuster der Römer, ist in seinen Straßenabständen gar nicht so exakt gleichförmig,

wie vielfach beschrieben wird, lediglich die genaue Parallelität ist augenfällig.

Beim Besuch in der burgundischen Stadt Autun mit den berühmten Arbeiten des Bildhauers Gislebertus,

wollte ich mir zuallererst seine Kapitelle und sein Tympanon anschauen,

um etwas mehr über die dahintersteckende Geometrie zu erfahren.

Autun hat bis heute eine nicht regelmäßige Außenmauer, in die bei den Römern ein rechteckiges Straßenmuster eingefügt war.

2 Tore lagen auf einer Achse und zwei waren zueinander versetzt, lagen aber ebenfalls am Ende wichtiger Stadtstraßen.

Eine etwa 6 km lange Stadtmauer umschloss das einstige Gelände der Römerstadt,

wovon noch ein großer Anteil auch mit wehrhaften Türmen erhalten ist.

Als die Stadt im Mittelalter wieder befestigt wurde, nutzte man ein südlich am Hang gelegenes Gebiet.

Zwei Drittel der restlichen römischen Anlagen mit den noch erhaltenen Toren gehörte nicht mehr notwendig zur Kernstadt.

Die Bevölkerung war auch nicht mehr so zahlreich, auch galt es im Verteidigungsfall die Mauer ausreichend mit Bewaffneten zu besetzen.

Bei der Untersuchung des mittelalterlichen Autuns tat ich mich schwer eine klare Planungsstruktur zu erkennen.

Jedoch sah ich verwandte Vorgehensweisen unter Verwendung bestimmter Winkel.

Was mich erstaunte war, dass die Stadtmauer aus der Römerzeit in die mittelalterliche Struktur passte.

Nach dem Erhalt eines Plans mit eingezeichneten Römer- und Mittelalterbefestigungen wurde schnell klar,

dass die Römer bereits das Pentagramm in der Stadtplanung verwendeten.

Alle Tore und die zahlreichen Türme, sowie der organische Verlauf der Stadtmauer passten überraschend gut in die Pentagrammgeometrie.

Die rechteckig und parallel angelegten Straßen verliefen einst von Turm zu Turm und

dies ist nun die eigentliche Grunderkenntnis und somit ein weiteres Ausmaß der Entdeckung.

Wenn man das Pentagramm aufstellt wie ein Alpha und zu waagerechten Linien Parallelen durch alle Schnitt- und Eckpunkte sowie durch die Schnittpunkte der Unterpentagramme zieht und dann mit den senkrechten Linien ebenso verfährt,

so erhält man das sogenannte Schachbrettmuster. Am Ende dieser Linien waren die Türme und Tore.

Diese Entdeckung war dermaßen überzeugend, dass ich diese Art der Planung auf die Stadt Trier und

auf Avenche (Aventicum) am Murtensee anwandte.

In Trier ergaben sich sogar klare Aufschlüsse, wie sich die einstigen Großgebäude,

der Palast und die Basilika in die Stadtplanung einrichteten.

Eine große Säule auf dem Marktplatz mit einem möglichen römischen Schaft ist ein Fixpunkt der

mittelalterlichen Stadtbefestigung und war auch schon beim römischen Trier ein wichtiger Punkt in der Stadtplanung.

(Siehe S. 36/37Trier)

 

 

Das Pentagramm steckte also in den Mauern der Römerstädte, die vor 800 Jahren für die Menschen noch gut erkennbar waren. Gerade in milderen Gegenden, wie Burgund, wo die Normannen nicht dermaßen vernichtend agiert hatten und

der alljährliche Winterfrost den Mauern nicht so zusetzte.

Die Kenntnisse der Agrimensoren in der Karolingerzeit wurden von Hof zu Hof weitergegeben.

Ein mit dem Knotenseil konstruiertes Pentagramm entsprach jedoch nicht einer exakten Konstruktion.

Als Adelard of Bath die (um 1120) Euklidischen Schriften in Sizilien entdeckte, bekam man die Anleitungen der Geometrie dazu.

Dieser neue Impuls, welcher nach neuesten Erkenntnissen in eine „Antike“-hungrige Zeit fiel,

verbreitete sich offensichtlich in Windeseile.

Man erkannte den Nutzen, man erkannte die geplanten Strukturen der römischen Hinterlassenschaft und wusste nun,

wie dies in der aufkommenden Städte- und Kirchenbauwelle praktisch und gestalterisch zu umzusetzen war.

Das berühmte Kapitell des Gislebertus in der Kathedrale von Autun „der Traum der Könige“,

in einer mittelalterlichen Stadt mit noch sichtbaren römischen Wurzeln, war für mich der Anlass die dortigen Kunstwerke zu besichtigen.

Bei einer Predigt über besagtes Kapitell „Traum der Könige“ fielen mir bekannte Konstruktionsschemata auf,

welche mich an die pentagrammorientierten Stadtplanungen erinnerten.

Nach Erhalt eines unverzerrten Fotos der romanischen Steinmetzarbeit, prüfte ich die Winkelbildung der Konstruktionslinien.

Es war bald klar, dass 36˚/72˚/108˚ Grad Winkel die Pentagrammpunkte ausmachten.

So fand ich in den Linien der Unterpentagramme die Abstandslinien der liegenden Könige,

90˚ Grad quer dazu bildeten die gleichen Linien aus dem benachbarten 5-Zack die Lage der Kronen und Gesichter.

 

Der Bildhauer/Baumeister Gislebertus (um 1120) entwarf alle seine Kapitelle vor der Fertigung in einer klaren Geometrie. Ob die "Flucht nach Ägypten" oder "Der Traum der Könige" - all diese Arbeiten sind nach diesem Prinzip konzipiert.

Die Bedeutung für die Pfullendorfer Entdeckung


Diese Beobachtung warf auf meine Pfullendorfer Entdeckung nun ein völlig anderes Licht.

Beim näheren Untersuchen der städtischen Unterpentagramme ergab sich nun folgender Befund:

Der untere Weiher, heutiger Pfullendorfer Stadtsee,

war aus 2 Kreisbögen geschlagen und über einer Parallele zum Pentagramm zu seiner Form gebildet.

Der mittlere Stadtsee (Mittlerer Weiher) hatte das Aussehen eines undefinierbaren Vielecks,

an dessen östlichen Ecken stets ein Wasserzulauf mündete.

Diese Zulaufstellen entpuppten sich nun als Schnittstellen zweier Unterpentagrammlinien,

wie auf der Analyse des Kapitells des Gislebertus.

Ebenso fand ich beim östlichen Unterpentagramm um das Pfullendorfer Engelinstor einen konstruktiven Zusammenhang zum ehemaligen Franziskanerinnen Kloster.

Mit Hilfe eines zweiten, verdrehten Pentagramms waren sämtliche Baulinien des Klosters definiert.

Der heute noch erhaltene Bau stammt zwar aus dem 17. Jahrhundert,

doch stehen die Mauern nachweislich auf Fundamenten des 13. Jahrhunderts.

Des Weiteren schaute ich mir das berühmte Tympanon der Autuner Kathedrale näher an.

Schon die riesige Fischblase, welche mich an das ähnliche Straßenbild in Pfullendorf erinnerte, weckte mein Interesse.

Hier wird das einzige Mal im Mittelalter der Hersteller eines Kunstwerks und sein beabsichtigter Gedanke in Schriftform festgehalten „Gislebertus hoc fucit“ Gislebertus hat dies gemacht.

Zudem erhalten wir in gemeißelter Schrift Auskunft, dass die Fischblase die Verbindung zwischen dem göttlichen mit dem menschlichen darstellt.

Der 10 Meter breite und 5 Meter große Halbkreisbogen wird von verzierten Säulen getragen und stellt ein Weltengericht dar, welches für viele nachfolgenden Darstellungen Pate gestanden haben dürfte.

Auffällig war für mich die Armhaltung der zentralen Christusdarstellung inmitten der fischblasenartigen Mandorla.

Beim Besuch des Rolin-Museums in Autun wird den Gästen in einer Multimediashow der Aufbau dieses Tympanoms vor Augen geführt. Nicht nur die bildhauerische Arbeit Qualität der riesigen Arbeit wird hier 3-dimensional eindrucksvoll dargestellt,

sondern auch der blockhafte Aufbau des Ganzen.

In explosionsartigen Perspektiven erkennt man plötzlich die Fugen, welche die Steinblöcke trennen.

Bei der Prüfung der Planungslinien lenkte die Armhaltung der zentralen Figur auf das Pentagramm,

welches sich über das gesamte Portal erstreckte, ähnlich der berühmten Darstellung des Portals beim Castell del Monte in Apulien, jedoch aus 100 Jahre früherer Bauzeit.

So war klar, dass auch beim Bau des Tympanons der Entwurf fertigungsgerecht und übertragungsgerecht durchgeführt wurde, sowie auch jederzeit reduzierbar.

Nach der Fertigstellung dieses Tympanons war die Werkszeichnung spätestens bei der Zusammensetzung des riesigen Portals nicht mehr von notwendig.

Eine Festhaltung für spätere Generationen und eine Spekulation auf den Wert der Zeichnungen,

wie es mit den Sammlungen in der Renaissance begann, blieb hier noch aus.

Übertragen auf die Stadtplanungskonstruktionen war ein nachträgliches Dokumentieren einer jahrzehntelangen Tätigkeit,

auf welcher man die Aussteckung von Pflöcken und Seiten auf der grünen Wiese zu Beginn und

dann ein zugebautes Areal nach Errichtung einer Stadt darstellt, wird nicht unbedingt wichtig,

die eingeweihten Vermesser wussten um die Zeichen und Signien (Zinken), welcher ihr Vorgänger hatte,

wo man eine Stadterweiterung ansetzt, wenn diese nicht schon als Vorstadt längst mit eingeplant war.

Der Hintergrund, weshalb ein riesiges Relief mit diesem Pentagrammverfahren konstruiert wurde,

war kein anderer wie schon bei den großen Stadtplänen bei den Römern.

Die Übertragung eines Kunstwerks ging schnell und genau und vor allem noch effektiver und stimmiger,

wenn man sich der Formensprache dieser Geometrie bediente.

Lange unterstellte man den Künstlern aus dem Mittelalter, sie hätten es nicht besser gekonnt und

es handle sich fast um einen Comicstil.

Der Hintergrund jedoch ist, dass sich die Künstler an der dahinterliegenden,

übertragbaren und vergrößerungsfähigen Geometrie orientierten.

Planerische Anlage des Franziskanerinnenklosters
Pentagramm und goldener Schnitt (Zeichnungen P.Klink)

Platzhalter (Das Portal des Castel del Monte)

Die Wiederentdeckung der antiken Geometrie und die Verwendung der karolingischen Kopien römischer Stadtplaner

waren prägend für den sich im Mittelalter entwickelnden Städtebau. Die Staufer, die ein Reich von Sizilien bis zu Ostsee regierten,

standen zudem im kulturellen Austausch mit ihren Nachbarn. Das Pentagramm war offensichtlich eine stabile geometrische Figur,

welche einmal exakt aufgezeichnet, sich beliebig vergrößern ließ. Auch in der Buchillustration,Heraldik, sowie Siegel- und Münzprägekunst wurden

geometrische Figuren zu formgebenden Entwurfskizzen genutzt.

Beiliegender Reichsadler oder auch das Wappen der Baumeister und Igenieure "Herrmann aus Dessau" 14. Jh. verdeutlichen das

immer wiederkehrende Planungschema Pentagramm.

Im zentralen Europa dem Stammland der Staufer, geht die Sonne im Winkel von 108° Grad zu den Sonnenwenden auf und unter.

In Nordumbrien am Hadrianswall gibt es das Ford Hardknott, welches auf der Breite von Kiel einen Auf-Untergangswinkel von

ca. 95° Grad aufweist.

Bei dem Römerkastell liegen je 2 Tore auf den Sonnwendachsen. Dies ist ein Beispiel, wo sich Cardo und Decumanus in den Sonnwendachsen

schneiden.

Villard de Honnecourt

Villard de Honnecourt war Verfasser eines Skizzenbuchs aus dem 13.Jhdt.

Dieses Bauhüttenbuch gilt als eine der wichtigsten Quellen zum Thema mittelalterliches Bauen und Entwerfen.

Neben einigen Architekturzeichnungen findet man unter den über 360 Skizzen, Tiere, Maschinen, Kirchtürme, Gesichter und

kämpfende Männer, welche in geometrische Raster eingeteilt wurden.

In Kinderbüchern sind seine Darstellungen oft hilfreiche Ermutigungen, um sich an das figürliche Zeichnen zu wagen.

Das Pentagramm wurde dabei immer wieder als vorgegebener Rahmen eingesetzt.

Neben der stabilen Grundform brachte ein Grundgerippe in Form eines Pentagramms auch ein harmonisches Gesamterscheinungsbild mit sich. Durch die Verwendung der zugrunde liegenden Geometrien ,

speziell beim Pentagramm mit den immer gleichen Längenverhältnissen in der gesamten Figur,

konnte das Bau- oder Kunstwerk in seinen markanten Punkten eingefangen werden und diente somit als Transport-und Kopieraster.

 

Das Bauhüttenbuch des Villard blieb dank eines schonenden Umgangs,

einer guten Herstellungsqualität aus bestem Pergament und einer hohen Wertschätzung uns bis zum heutigen Tag erhalten.

Die Zeichnungen stammen wohl alle aus der Feder von Villard,

der zwischen 1230 und 1235 von Frankreich über Deutschland nach Ungarn zog.

Die schriftlichen Kommentare, welche erklärend an den Rändern der Blätter vermerkt sind,

stammen zumeist von unterschiedlichen Schreibern.

Man geht sogar davon aus dass der gute Zeichner Villard de Honnecourt sich gar nicht mit dem Schreiben anfreunden konnte.

Solche Skizzenbücher waren schon im frühen Mittelalter häufig im Gebrauch aber durch stetiges Benutzen an den Baustellen blieb über die Jahrhunderte wenig davon übrig.

Gerade die Baupläne einer Stadt waren nach Beendigung der Großbaustelle über viele Jahrzehnte hinweg verschlissen.

Lediglich der Plan der Klosterstadt St. Gallen, die man heute nachzubauen versucht,

wurde nie den Strapazen der mittelalterlichen Baustelle ausgesetzt.


Staufische Bauwerke in Apulien

 

Meßkirch

Die ursprüngliche Stadtplanung von Meßkirch ging von der Stelle aus,

an der heute die Nepomuk-Kapelle an die Martinskirche angebaut wurde.

Aus diesem Mittelpunkt sind die Häuserzeilen nordöstlich der Kirche gezogen.

Diese Plattform mit altem Schloss und Kirche war mit Mauer und Tor befestigt,

bevor man in Richtung Grabenstraße im Rahmen der Stadtgründung erweiterte.

Ein erstes Pentagramm um die Nepomuk-Kapelle und ein zweites südwestlich angesetzt zeigen mit ihren Verbindungslinien,

wie Schloss, Kirche und erste Bebauung über 3 Jahrhunderte planerisch zusammenhängen.


 

Platzhalter (Doppelseite mit Karte und Text)

 

 

Bad Saulgau – geschichtlicher Abriss

Saulgau wurde erstmals im Jahre 819 unter dem Namen „Sulagun“ erwähnt.

Im 12. Jhdt. tauchte bereits der Name „Sulgen“ auf. Seit 1177 sind niederadelige Herren als Reichsministerialen bestätigt.

Dass der Name auf eine keltische Quellgöttin zurückgeht,

lässt sich nicht nachvollziehen.

Eher wahrscheinlich ist die Herkunft vom althochdeutschen Wort „Suhlen“, das „Wasserlachen“ bedeutet.

Um 1239 wurde Saulgau vermutlich von den Staufern das Stadtrecht verliehen.

1288 bekam die Stadt von König Rudolf I. das Marktrecht. Von 1299 bis 1803 war Saulgau habsburgische Amtsstadt.

Drei Tore bilden Öffnungen in der Stadtmauer. Es gibt keine durchgängige Straßenachse.

Die Hauptstraße ist nach der Stadtplanungskonstruktion bewusst 2 mal rechtwinklig abgeknickt.

Dazu erhalten wir rechtwinklig zum Knick im Osten das Spitaltor und im Westen der Stadtmauer einen Wehrturm.

Der Mittelpunkt der östlichen, gleichmäßig gekrümmten Stadtmauer befindet sich auf der Schillerhöhe

(ehem. Kirchberg), unmittelbar beim Denkmal.

 

Der Mittelpunkt der Stadtanlage und gleichzeitig Zentrum eines großen Pentagramms liegt im

gotischen Vorbau der Stadtkirche St. Johannes (Durchmesser ca. 291 m = ca. 1000 Fuß).

Von dort aus sind über die Pentagramm-Geometrie alle wichtigen städtischen Bauten sowie die Stadtbefestigung festgelegt

(Johanni, 24.Juni).

Da Saulgau über eine ebene Topografie verfügt,

scheint von Nordosten her zur Sommersonnwende die aufgehende Sonne unverzögert in einem 36°-Winkel

zur West-Ost-Achse in die Stadt.

Diese Ausrichtung erhalten wir auch beim Sonnenuntergang am 20.6. auf der Konstruktionslinie Untertor-Mitte-Südostecke.

Die nördliche Mauer ist ebenfalls nach den Sonnenwenden ausgerichtet.

Die südliche Mauer ist zu dreiviertel Ost-West ausgerichtet.

Bei einer Stadtgründung im Mittelalter wurde südlich der Alpen vereinzelt nach dem antiken Stadtgründungsritual verfahren.

Von Friedrich II. wissen wir dies von der ehemaligen Festungsstadt Vittoria (1247).

Nachdem die Stadtform festgelegt war, pflügte man mit einem Ochsen den Verlauf nach.

Die Furche wurde zum Stadtgraben, die Scholle zur Stadtmauer.

Diese Urfurche ist auch unter dem lat. Namen „sulcum primigenius“ bekannt.

Da man zur Zeit der Staufer einer Stadt gerne einen antikisierenden Namen gab,

könnte aus Sulagun durchaus der Name Sulcum und somit später Saulgau entstanden sein.

 


Friedrich II. als Städteplaner

In der Gründungslegende der Feldlagerstadt Victoria bei Parma erfahren wir,

dass Friedrich II. von Hohenstaufen die Stadt selbst entwarf und sogar das Gründungsritual nach antikem Vorbild vollzog.

Mit einem Ochsengespann zog er mit dem Pflug die Urfurche um die geplante Stadt. Die Furche wurde zum Stadtgraben,

die Scholle zur Stadtmauer.

An den zukünftigen Toren wurde der Pflug angehoben und nur an diesen Stellen durfte fortan die Stadt betreten werden. Möglicherweise fand man deshalb in der Nähe von alten Stadttoren häufig die Gasthäuser

„Zum Pflug“ zur Erinnerung an das einstige urbane Ereignis.


Aus der Chronik des Rolandinius Patavinius nach 1247:


Und gegenüber der Stadt (Parma), gleichsam vor deren Toren, errichtete er eine andere Stadt, die er Victoria nannte.

Und weil er wußte, dass die alten Großen (Mächtigen/Herrscher?) die Aszendenten beachteten, wenn sie Städte gründen wollten,

und eine Furche mit dem Pflug zogen, womit Sie die Städte umgaben, die daher als Städte bezeichnet wurden, fing er an,

diese neue Stadt selbst unter dem Zeichen des Aszendenten Widder zu entwerfen;

zum einen, weil es das Zeichen des Mars ist, welcher als der Gott des Krieges gilt, und zum anderen weil er dem Aszendenten der Waage im Abstieg entgegengesetzt ist, dem Zeichen der Venus, welcher der Planet Parmas heißt und sein Glück sein soll.

So als ob er etwa dachte, dass dadurch das Schicksal der Parmesaner, die ihm entgegenstanden, dem Untergang zustrebte.

Quelle Übersetzung: Dr. Esther Wipfler, Zentralinstitut für Kunstgeschichte

 


 

Ursprünge der Stadtplanungen in der Antike


In Italien legten die Etrusker ihre Städte schon vor den Römern in orthogonalen Mustern an.

Im Kontakt mit der griechischen Zivilisation auf der südlichen Halbinsel Italiens lernten die Etrusker von dem bereits

praktizierenden griechischen Städtebau ihrer Kolonialstädte (Neapel, Agrigento, Galipoli etc.)

Das expandierende römische Reich baute in den eroberten Regionen Europas immer wieder neue Metropolen mit florierenden Städten auf,

welche selbst nördlich der Alpen unter den überbauten und

heute danach benannten Städten ihren Fingerabdruck anhand von Baurelikten, Straßenzügen und Fundamenten hinterlassen haben.

Die Städte wurden von Herrschern in Auftrag gegeben und in ihrer Funktion und Lage gut durchdacht.

Im Vordergrund des expandierenden Reiches stand wohl vorallererst die strategische, wirtschaftliche und auch militärische Lage.

Bedenken zu Standorten an klimatisch ungünstigen Plätzen gab es trotz der vitruv`schen Empfehlungen aber nicht.

Man baute an Flusszusammenläufen, an Mündungen oder auch an Straßenkreuzungen und versuchte häufig,

daran gelegene sumpfige Gegenden trocken zu legen, was auch oft gelang,

jedoch einen unglaublichen Aufwand der Instandhaltungsmaßnahmen mit sich brachte.

Empfehlungen der berühmten Agrimensoren, welche uns aus dem karolingischen Agrimensoren-Kodex überliefert sind,

wurden entweder individuell oder in einer noch nicht gedeuteten Vorgehensweise umgesetzt,

welche in dieser Veröffentlichung erläutert werden soll.

Die Darstellungen in der karolingischen Faksimile, welcher nach römischem Original aus dem 4./5. Jahrhundert n. Chr. stammen,

beziehen die Umgebung einer geplanten Stadt großräumig mit ein. Berge im Hinterland,

Flussläufe, Wälder, Quellen, sowie Felssporne werden als Orientierung der Vermessungsarbeiten mit einbezogen.

Vitruv beschreibt in einem Artikel seiner 10 Bücher über die schädliche Wirkung der Winde einen Aspekt,

der schon im Athener achteckigen Turm der Winde hundert Jahre zuvor (1. JH. V. u. Z.) umgesetzt wurde.

Die Wirkung der Winde ist jedoch je nach Breitengrad und je nach Höhenlage unterschiedlich.

Wo der Wind im Süden erwünscht ist, so kann dieser in eisiger Höhe oder im Norden des Landes unerwünscht sein.

Dieses Problem architektonisch in den Griff zu bekommen, erweist sich bei stets wechselnden Winden als schwer umsetzbar.

Schädlicher Zugluft innerhalb einer ummauerten Stadt empfiehlt Vitruv durch versetzte Straßenzüge zu entgegnen.

Diese Bauart lässt sich jedoch in der Römerzeit nur allmählich beobachten und wurde erst im mittelalterlichen Städtebau zunehmend umgesetzt. Das Straßenraster römischer Gründungen blieb in Frankreich und Italien oft prägend erhalten.

Die vitruvschen Empfehlungen wurden stets weitergegeben und eher systematisch in den Stadtgründungen nördlich der Alpen sinnvollerweise umgesetzt, da hier die Zugluft außer an heißen Sommertagen spürbar unangenehmer ist als in subtropischen Städten.

 

In vielen Beschreibungen der römischen Agrimensoren wird die Ausrichtung einer zu planenden Stadtanlage nach dem Sonnenaufgang erwähnt, jedoch wurde bislang keine einheitliche Strategie erkannt,

was wegen der unterschiedlichsten topografischen Umstände auch immer wieder unterschiedliche Voraussetzungen mit sich bringt.

Da für eine neue Stadt mit mehreren tausend Einwohnern neben der Ernährung auch die Wasserversorgung eine große Rolle spielte,

ist es nicht verwunderlich, dass in den Planungsempfehlungen immer wieder Bergmassive mit wasserführenden Bächen illustriert sind,

welche sich im Hintergrund mit in ein Planungsschema einfügen.

Standen die Berge im Norden einer Stadtanlage, so schien auch im Winter den ganzen Tag die Sonne in die Stadt.

Wurde jedoch gegen ein Bergmassiv im Süden gebaut, so musste genügend Abstand von den Hügeln genommen werden,

um einen ganztägigen Sonnenschein während den kürzesten Tagen im Jahr zu garantieren (Bsp. Autun, Burgund).

Genau diesen Umstand zeichnet Hyginius Gromaticus in den erhaltenen Skizzen des karolingischen Agrimensoren-Codes auf.

Ein aus der Höhe Null (Meereshöhe oder Horizont) aufragender Berg ,von Wasser umgeben, erscheint gerade so hoch,

dass die Sonnenlaufbahn über den dargestellten Berg (montis) hinüberführt.

Der Sonnenaufgang „Ortus“ ,linke Bildseite, wie auch der Sonnenuntergang im Westen „Occasus“, rechte Bildseite,

ist wider unsere Gewohnheit auf dem Plan ausgerichtet.

Der eingezeichnete Berg liegt somit im Süden und der Betrachtungsstandpunkt wird soweit zurückgerückt,

dass die Sonnenlaufbahn nicht vom Bergrücken (hier „montis“) verdeckt wird.

Diese Situation finden wir im burgundischen Autun wieder, wo Besucher dieser mittelalterlichen,

römischen Stadt immer wieder mit der Orientierung in den Himmelsrichtungen irritiert sind, da wir eine Stadtanlage,

die am Nordhang gebautist, nicht gewöhnt sind.

Gerade in Autun erkennen wir jedoch, dass es kein durchlaufendes Straßenkreuz gibt.

Zwei der Stadttore sind noch eindrucksvoll erhalten, die Nord-Südachse ist eine durchgängige Straßenachse,

die Ost-Westachse ist eher schräg versetzt und das orthogonale Straßennetz folgt dieser Ausrichtung nicht.

 


Die Empfehlungsskizze des Hyinius Gromaticus ist nach dem Pentagramm konstruiert

 

Die Stadtplanungskonstruktion,

welche bei Pfullendorf ans Licht kam, wurde nicht nur bei vielen mittelalterlichen Städten nachgewiesen und wiedergefunden,

sondern ließ sich nun auch bei den Stadtgründungen im frühen Mittelalter beobachten. Bei Städten mit römischen Wurzeln ebenso.

Bei den römischen Städten zeichnet sich das orthogonale Straßennetz deutlich ab.

Die gekrümmtem und gerundeten Straßen der mittelalterlichen Städte verfolgen in geschwungener Form das Planungsraster und

die Pentagramm-Schnittpunkten. Daher sind die Straßenführungen dergestalt ausgerichtet,

dass das Sonnenlicht der wandernden Wintersonne möglichst lange in den Straßenverlauf scheint.

Bei den Städten mit dem Zähringermuster (Schachbrettmuster) handelt es sich um ein Übergangsprinzip aus dem Frühmittelalter ins

Mittelalter (St. Galler Klosterplan).

Mit ganz wenigen Ausnahmen wird ohne das Pentagramm -Muster konstruiert.

Reine militärische Kastellanlagen wurden in Quadrat- oder Rechteckbau angelegt und haben auch ein typisches Achsenkreuz

(Decumanus, Cardo) Aachen – Carwey.

Jedoch spielt auch hier die Ausrichtung nach der aufgehenden Wintersonne, was der untergehenden Sommersonne entspricht,

eine entscheidende Rolle.

Hygimius Gromaticus geht bei seiner beispielhaften Darstellung von einem Fall aus, welcher nur nördlich der Alpen existiert.

Der Bewuchs in der Bilddarstellung deutet aber auf das Mittelmeergebiet hin.

Ob er dies bewusst oder unbewusst getan hat, ist nicht klar, auf jeden Fall verwendet er die Pentagrammgeometrie für die Darstellung seiner Empfehlung für die richtige Grundlage der Feldmesserei.

Er geht mehr oder weniger bewusst von einer 108˚ Grad Laufbahn aus.

 

„Die Planung einer Stadt soll so ausgerichtet sein,

dass auch an den kürzesten Tagen im Jahr die Sonne auf ihrer Laufbahn nicht hinter Hügeln verschwindet.

Auf der Breite von Pfullendorf ergibt sich eine symmetrische Planungssituation,(da 108 Grad) weiter nördlich und

weiter südlich wird das initiative Pentagramm zum dortigen Sonnenaufgang geneigt, dem von Gramaticus genannten „ ORTUS CONSPECTUS“.

Die dortige Stelle wurde mit einem Zeichen (SIGNUM) markiert.“

 

Der Aufgang blickt in die Höhe der Untergang blickt in die Tiefe.

Die Nasenspitze stellt jeweils einen Eckpunkt der Geometrie dar. Quer verbunden sollte eine Linie

den eigentlichen Horizont darstellen, obwohl etwas tiefer im Bild eine Gewässeroberfläche auftaucht,

welche auf der Mittelpunktslinie eines allumfassenden Pentagramms liegt.

Hieran kann man deutlich erkennen, dass die Entdeckung der Zentralperspektive noch in ferner Zukunft

(ca. 1000 Jahre später) lag.

Der scheinbar willkürlich gemalte Berg, welcher wie eine Insel im Meer liegt, folgt jedoch auffällig einer Geometrie.

Bäche, Bäume und Bergspitze werden durch Diagonalen und Winkelhalbierenden klar definiert.

Die angedeutete Ekliptik ist exakt aus dem unteren Pentagoneck im Pentagrammeck gezirkelt und

diese Sonnenlaufbahn verläuft über den Bergrücken.

Ein aufgesetztes Unterpentagramm begrenzt die Höhe des Berges (Montis).

So wird bei Hyginius Gromaticus klar,

dass er diese Pentagramm-Graphik zur Grundlage seiner Stadtplanungsprinzipien verwendet.

Den karolingischen Schreibern war die Geometrie bekannt,

sonst hätten sie nicht die Hilfslinien und Sonnenlauflinien dermaßen exakt nachgezeichnet.

 

 

Die Kastelle Gnotzheim und Theilenhofen liegen am Limes bei Weissenburg, (Franken).

Militärische anlagen der Römer wurden stets rechtwinklig angelegt ,wie auch die große Lagerstadt Aachen.

Wohnstädte wie Autun, Kaiseraugst oder

Avenche hatten eine organisch geformte Stadtmauer deren ebenfalls das Pentagramm zu grunde lag.

Die Straßenraster jedoch waren wieder orthogonal angelegt. Vitruv empfahl zuerst die Mauer und

die Einlässe und dann die Straßen anzulegen.

 

Augusta Raurica


Die Kolonie Augusta wurde um 44 v.Chr. wenige Kilometer östlich vom heutigen Basel gegründet.

Die Stadt liegt auf dem Breitengrad, bei dem die Sonne zu den Sonnenwenden einen exakten Auf- und

Untergangswinkel einnimmt.

Das ergibt eine Ausrichtung der Nordost-Südwest-Straßen von 36° Grad.

Auf den Winkelhalbierenden des planerischen Pentagramms liegen auf der Nord- Süd- Achse das Rheinkastell und das West-Tor. Das Pentagramm nimmt die Straßeneinteilung auf.

Auf einer weiteren Winkelhalbierenden liegen Tempel und Theater.

Auch die Brückenköpfe am Rhein und auf der ehemaligen Insel Gwerd

(heute überschwemmt vom angestauten Rhein) liegen auf dem Planungsraster.

 

 

 

Das orthogonale Straßennetz der Römerstadt Trier ist nicht nach den Sonnenwendachsen ausgerichtet,

sondern orientiert sich eher nach dem Verlauf der Mosel.

Jedoch liegen die Porta Nigra und das Brückentor auf der Sonnenachse der Trierer Breite.

Der Decumanus verläuft vom Brückentor zum Amphitheater,

der Cardo verläuft rechtwinklig dazu von der Porta Media Richtung Porta Nigra, knickt aber kurz unterhalb vom mittelalterlichen Marktplatz zur Porta Nigra in einem exakten 18° Grad Winkel ab.

Von diesem Schnittpunkt aus baut sich in Richtung Porta Nigra ein Unterpentagramm,

welches die Stelle des heutigen Marktplatzkreuzes ( Standort vor 1906) einnimmt.

Nach der Zerstörung von Trier durch die Normannen verfielen die prächtigen Bauten der Römer.

Das orthogonale Straßennetz der Römerstadt Trier ist nicht nach den Sonnenwendachsen ausgerichtet,

sondern orientiert sich eher nach dem Verlauf der Mosel.

Jedoch liegen die Porta Nigra und das Brückentor auf der Sonnenachse der Trierer Breite.

Der Decumanus verläuft vom Brückentor zum Amphitheater,

der Cardo verläuft rechtwinklig dazu von der Porta Media Richtung Porta Nigra,

knickt aber kurz unterhalb vom mittelalterlichen Marktplatz zur Porta Nigra in einem exakten 18° Grad Winkel ab.

Von diesem Schnittpunkt aus baut sich in Richtung Porta Nigra ein Unterpentagramm,

welches die Stelle des heutigen Marktplatzkreuzes ( Standort vor 1906) einnimmt.

Nach der Zerstörung von Trier durch die Normannen verfielen die prächtigen Bauten der Römer.

Die Stadtbefestigung von Trier im Mittelalter

 

Das besagte Trierer Marktplatzkreuz besteht im Schaft aus einer römischen Säule,

das zierende Kreuz stammt aus der Karolingerzeit.

Verschiedenen Sagen ranken sich um das zentrale Kreuz aus dem 9/ 10. Jahrhundert.

Bis 1906 stand es am angestammten Platz, etwas weiter östlich.

Dieser ehemalige Standpunkt wurde zum Ausgangspunkt des Trierer Marktes und

zum Konstruktionspunkt wiederum eines Pentagramms, welches die römische Konstruktionslinien aufnahm.

Offensichtlich wurden die alten Mess- und Konstruktions- punkte erkannt.

Im 12. Jahrhundert baute man die Stadtbefestigung wieder auf und

nahm die römische Mauer bis zur Moselbrücke flussaufwärts zurück.

Das Pentagramm mit dem Marktplatzkreuz in einem der Schnittpunkte war nun maßgebend für alte und neue Tore und Mauern.


 

Das mittelalterliche Trier
Die geplante Klosterstadt St. Gallen ca. 820 bis 830 n. Chr.

Als die karolingischen Agrimensoren die Texte von Gromaticus kopierten, entstand der Plan der Karolingischen Klosterstadt.

Das orthogonale Straßenbild war noch für die Zähringerstädte prägend. Auch hier wurde mit dem Pentagramm geplant.

Oben der entzerrte Plan, unten eine Kopie des Pergaments, welches vom Rand her einschrumpfte.

Die geplante Klosterstadt St. Gallen ca. 820 bis 830 n. Chr.
Im Planungsschema der staufischen Stadtmauer ist die Ausrichtung nach der Sonnenwende und dem Pentagramm besonders gut erkennbar.

Von Winkel und Winkele und Zinken

Auf einer Katasterkarte um 1840 sieht man neben dem Straßennetz von Wurmlingen,

wie die Fluren strahlenförmig von einigen Messpunkten aus aufgeteilt wurden.

Auffallend sind auch hier die sogenannten „Winkele“ welche als schmale Gassen und

Fußwege entlang der alten Grenzen und Vermessungslinien verlaufen.

Die Ortsbewohner gelangten dadurch recht schnell zu Fuß durch die eng bebaute Siedlung, welche im Ort und am Ortsrand mit hohen Zäunen die Grenzen markierte.

In Winterlingen bei Sigmaringen gibt es einen Winkele-Pfad, dort wird erklärt,

dass man auf diesen engen Pfaden von einer Wirtschaft zur anderen gelangen kann.

Der häufig auftretende Gassen- und Flurname „Winkele“ könnte noch ein Relikt sein,

der auf die mittelalterlichen Messverfahren hinweist.

Bei der Feldereinteilung gab es an den Vermessungsschnittpunkten häufig langestreckte dreieckige Felder,

sogenannte Zinken. „Zinken“ kommt von lat. Signum und könnte ebenfalls an die Erstvermessung erinnern.

 

Literatur und Quellenverzeichnis:

 

-Die Entdeckung der mittelalterlichen Stadtplanung; Klaus Humpert/Martin Schenk, Theiss-Verlag

 

-Die kleine Geschichte der Reichstadt Pfullendorf; Peter Schramm, Frey/Bischoff

 

-Friedrich I. und Graf Rudolf von Pfullendorf,Karl Schmid

 

-Vitruv, 10 Bücher über die Architektur, Curt Fensterbusch, WBG

 

-Aachen zur Zeit der Römer, Axel Haussmann, M&M Verlag

 

-Friedrich II., Wolfgang Stürner, Primusverlag

 

-Pienza, Städtebau und Humanismus, Andreas Tönnesmann

 

-Die karolingischen Miniaturen, Wilhelm Köhler/ Florentine Mütherich, Dr. Reichert Verlag Wiesbaden

 

-Die Stadtgründungen der Hohenstaufen in Italien, Aufsatz Dr. Esther Wipfler - Die Alte Stadt

 

-Die Stadtmauer der freien Reichstadt Nördlingen, H.Kessler, Verlag Dr. A.Uhl

 

-Schwäbisch Gmünd, die älteste Stauferstadt, Peter Koblank,Stauferstelen.com

 

-Staufische Stadtgründungen am Oberrhein; Eugen Reinhard/Peter Rückert, Thorbecke

 

-Villard de Honnecourt, Hans R. Hahnloser, Druck und Verlagsanstalt Graz

 

 

Weitere Städte die auf Parallelen mit der Pfullendorfer Stadtplanung erfolgreich untersucht wurden:

 

Deutschland:

Biberach,Aachen Freiberg-Sachsen,Gelnhausen,Kaldenkirchen,Lübeck, Villingen,Rottweil,

Leonberg,Böblingen,Hamburg,Ratingen,Isny,Markdorf,Lindau,Pforzheim,Mainz,Balingen,

Mühlhausen (thür.),Sigmaringen,Mengen

 

Italien:

L'Aquilla,Corato,Parma,Siena,Pienza

 

Frankreich:

Kaysersberg,Hagenau,Rosheim,Paris,Carcasonne,Autun (röm.)

 

Schweiz:

Avenche (röm.),Basel

 

Es kommen sicher noch zahlreich Städte hinzu. Der Pfullendorfer Plan angewandt auf andere

Städte kann bei der Lokalisierung vermuteter Tore oder Gebäude nützlich sein. Häufig liegt auf

einem Spitzen oder einer Schnittstelle eines Pentagrammes ein Gebäude,welches schon von

Beginn der Stadtplanung festgelegt wurde.

 

Viel Spaß beim Forschen. Peter Klink

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